Elektroheizgeräte GmbH
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Strom ist zum Heizen nicht zu schade

HEA betrachtet Kalorienvergleich als Milchmädchenrechnung
Elektrizitätswirtschaft wehrt sich gegen den Vorwurf der Verschwendung

VDI-N, Mainz, 21. 11. 86, H.W. - Die elektrische Energie zählt hinsichtlich ihrer Anwendung zu den umweltfreundlichen Energiearten. Aber auch die Stromerzeugung in Kohlekraftwerken wird durch Maßnahmen zur Entstickung und Entschwefelung zusehends umweltfreundlicher. Und diese Energie sei zum Heizen nicht zu schade, war jetzt auf der Herbsttagung der HEA zu hören.

"Nur die Elektroheizung ermöglicht es, unter Ausnutzung aller Wärmegewinne - Sonne, Geräte, Personen - so bedarfsgerecht zu heizen, daß die richtige Wärmemenge zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Wird auch noch die verlustlose Umwandlung elektrischer Energie in Wärme in Betracht gezogen, so zeigt sich, daß elektrisch beheizte Häuser im Vergleich zu brennstoffbefeuerter Zentralheizung für die gleiche Heizaufgabe nur zwei Drittel bis halb soviel Endenergie benötigen, zumal die Elektroheizung wie kein anderes System zum vernünftigen Umgang mit Energie anregt. Strom ist daher zum Heizen nicht zu schade, aber es wäre schade, mit Strom nicht zu heizen."
Mit diesen Worten machte Dipl.-Ing. Peter Kalischer (RWE, Essen) Front gegen "politisch-ideologisch gefärbte" Äußerungen, die das Heizen mit Strom als "ungeheure Energieverschwendung" darstellten. Auf der diesjährigen Herbsttagung der Hauptberatungsstelle für Elektrizitätsanwendung (HEA), die diesmal in Mainz stattfand, nannte Kalischer den von Heizstromgegnern herangezogenen Kalorienvergleich eine "Milchmädchenrechnung". Es bleibe nämlich unberücksichtigt, daß die Elektroheizung die heimischen Energiequellen (Kohle und Kernenergie) uneingeschränkt für die Raumheizung nutzbar mache und knappe Energieträger wie Öl oder Erdgas ersetze.
Scharf kritisierte der Vorsitzende des HEA-Vorstandes, Dr.-Ing. Günther Clausnitzer (Hamburgische Elektrizitätswerke), auch den von verschiedenen Gruppen geforderten Verzicht von Strom für die Warmwasserbereitung. Der hessischen Landesregierung warf Clausnitzer vor, die Bereiche "Strom für Heizung und Warmwasser" dirigistisch aus dem Markt nehmen zu wollen. Das hessische "Umrüstmodell" sei unrealistisch: Würden die in dem Bundesland installierten 160 000 Elektroheizungen auf Öl, Gas oder Fernwärme umgerüstet und die elektrischen Warmwasserbereiter ebenfalls ausgetauscht, so ergäbe sich allein dort ein Investitionsaufwand von 5 bis 6 Mrd. DM. Für das gesamte Bundesgebiet wären rund 60 Mrd. DM aufzuwenden - eine gigantische Summe, die großenteils vom Staat aufgebracht werden müßte, da die meisten elektro-beheizten Wohnungen von minderbemittelten Personen bewohnt würden. Was die ökologische Seite angehe, so sei die Stromanwendung hinsichtlich ihrer Umweltfreundlichkeit vor Ort allen anderen Energiearten überlegen. Dies gelte um so mehr, als auch die Stromerzeugung durch Entstickung und Entschwefelung zusehends umweltfreundlicher werde und keine Konkurrenz zu scheuen brauche, sagte Clausnizer.
Es fiel übrigens auf, daß entgegen der bisher geübten Praxis auf Preisvergleiche zwischen der Verwendung von Strom und anderen Energiearten auf der HEA-Tagung verzichtet wurde. Stolz vermeldete die HEA jedoch, daß man beim Absatz von Elektroheizungen "zweistellige Zuwachsraten" verzeichne, was wohl für die Zufriedenheit der Kunden spreche. Im Jahre 1985 wurden im Bundesgebiet nach Angaben der HEA rund 300 000 Speicherheizgeräte verkauft. Damals sei jede zweite Neubauwohnung mit Elektroheizung ausgestattet worden, in diesem Jahr wird ein Anteil von etwa 45% erwartet. Von allen bundesdeutschen Haushalten heizen jedoch erst 8% ausschließlich mit Strom.
Das Motto der Mainzer HEA-Tagung: "Strom - die Energie mit Zukunft" unterstrich Dr. Werner Müller (VEBA) durch den Hinweis auf die Investitionen allein der Elektrizitätswirtschaft, die er auf jährlich über 16 Mrd. DM bezifferte. Die Branche beschäftige über 200000 Mitarbeiter und sichere durch ihr tägliches Ausgabevolumen von etwa 150 Mio. DM weitere 500000 Arbeitsplätze. Hierzu zählten auch die Beschäftigten im Kohlenbergbau. für die die Stromwirtschaft als größter und verläßlichster Abnehmer existentielle Bedeutung erlangt habe.
Die HEA ist die Gemeinschaftsorganisation der deutschen Elektrowirtschaft mit Sitz in Frankfurt am Main. Getragen wird sie von den Elektrizitätsversorgungsunternehmen, von der Vereinigung Deutscher Elektrizitätswerke (VDEW). vom Zentralverband der elektrotechnischen Industrie (ZVEI) und von Spitzenverbänden des Elektrohandwerks und des Elektrofachhandels. Aufgabe und Ziel der in Form eines eingetragenen Vereins geführten HEA ist die Aufklärung der Öffentlichkeit über Bedeutung und Zweckmäßigkeit der Elektrizitätsanwendung sowie die Beratung über den technisch und wirtschaftlich neuesten Stand des Einsatzes von Strom.

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